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17.02.2012
Die von mir seit vielen Jahren
hochgeschätzte Fachzeitschrift c't hat in ihrer Ausgabe 5/2012 einen
interessanten Vergleichstest von
Online-Bankingprogrammen veröffentlicht. Nachdem ich selbst seit
schon längerer Zeit auf der Suche nach einem Nachfolger für unser altes
Windows-Quicken bin, konnte ich nicht widerstehen, diesen Artikel mit einem
Leserbrief zu ergänzen:
Hallo Hr. Kossel,
vielen Dank für die schöne Gegenüberstellung von 14
Finanzprogrammen für Windows Mac OS ... hier habe ich einige wertvolle
Anregungen gefunden, vermisse aber andererseits einige interessante
Programme, die auch eine Erwähnung wert wären.
Nach meinem vor über drei Jahren erfolgten Umstieg von Windows (da
habe ich seit 1989 fast alle Versionen durchlitten!) auf dem Mac suche
ich derzeit dringend nach einem Ersatz für Quicken, welches im Moment
der einzige Grund für mich ist, noch einen Windows-Rechner am Leben zu
erhalten. Ich nutze zwar viele, aber längst nicht alle Features von
Quicken und ärgere mich über die alljährlichen Versuche von Intuit,
unausgereifte "Updates" mit immer absurderen Fehlfunktionen für teures
Geld an den Mann zu bringen.
Schön wäre bei der neu festzulegenden Mac-Software auch ein
mögliches Zusammenspiel mit dem iPhone. Was konnte ich also
diesbezüglich in den letzten Wochen in Erfahrung bringen?
- Bank X macht einen
relativ spröden Eindruck, ist aber recht leistungsfähig und kann auch
mit einer Mobilvariante zusammenspielen
(das habe ich aber noch nicht selbst probiert). Negativ: hohe Preise,
unattraktive Benutzeroberfläche, keine vernünftige Depotverwaltung
mit Kurshistorien und -auswertungen, keine Möglichkeit der Verwaltung
von Krediten (z.B. Hypothekenverlauf) - also leider kein vollwertiger
Ersatz für Quicken.
- Moneyplex ist für den Mac derzeit
als "public
beta" in Version 11 sogar kostenfrei verfügbar. Die
Onlinefunktionalität ist in der Tat sehr schön, auch die
Depotverwaltung bietet mehr als bei Bank X. Es existiert aber kein
mobiles Gegenstück für das iPhone, und eine Hypothekenverwaltung
konnte ich auch nicht finden. Dem Betatest geschuldet ist sicherlich
die etwas zerklüftete Oberfläche mit fehlenden Menüleisten sowie die
gelegentlichen -reproduzierbaren- Abstürze. Dieses Programm hat
Potential und wird bei zurückhaltender Preisgestaltung am Markt sicher
ein Erfolg werden können. Im Vergleich zu Quicken fehlen einige
Funktionalitäten, was aber zu verschmerzen wäre.
- MoneyMoney ist ein ganz
primitives "Kontostandsabfrageprogramm", sieht super aus, kann aber
eben kaum mehr als Kontostände anzeigen und Überweisungen absetzen.
Wem der Umfang genügt, der wird sich über dieses schön gemachte
Stück Software sicher freuen - mir reicht es leider nicht.
- Outbank (und die iOS-Gegenstücke
iOutbank und
iOutbank HD) sind derzeit fast die Referenz; hier klappt sogar der
Abruf von Kreditkartenumsätzen, den sonst kein von mir getestetes
Programm beherrscht. Die jeweiligen Einzelpreise der Software sind
nicht ganz niedrig; was mir aber weniger gefällt, ist die
Kindergarten-Oberfläche und die Tatsache, dass sich Desktop- und
iOS-Versionen nicht miteinander synchronisieren lassen. Das ist bei
Online-Konten nicht schlimm, bei Offline-Konten aber
tödlich.
- Hibiscus bietet
einen überschaubaren Funktionsumfang, diesen aber sehr schön
umgesetzt. Eine iOS-Anbindung fehlt. Mir war auch der Funktionsumfang
zu schmal.
- Buhl "
finanzblick" und "
finanzblick HD" sind iOS-Anwendungen; grafisch sehr schön gemacht,
mit einer "Eigenintelligenz" bzgl. Kategoriezuordnungen. Die
Oberfläche ist eine der schönsten, die mir je untergekommen ist, es
fehlt aber ein Desktop-Gegenstück für OS X.
- iFinance und iFinance
mobil fehlen in Ihrem Test; wie ich denke, zu Unrecht. Hier
spielen Mobil- und Desktopversionen tatsächlich synchronisierend
zusammen; eine clevere und anpassbare "Autokategorie"-Funktion sowie
eine knuffige Oberfläche der Desktopvariante sammeln Sympathiepunkte.
Leider war bei meinen Tests die HBCI-Funktionalität mit einer meiner
Banken ein Schwachpunkt - allerdings hat sich der Support der Sache
schnell angenommen und innerhalb weniger Tage eine modifizierte
Alphaversion geliefert, die jetzt sauber arbeitet. Positiv zu
erwähnen: die Preisgestaltung ist moderat, zumal für "Umsteiger" ein
"Crossgrade-Rabatt" greift.
-
GNUcash ist Open Source; die zum Testzeitpunkt aktuelle Version
2.4.9 habe ich trotz vieler Stunden Zeitaufwand nicht richtig zum
Laufen bekommen. Für mein Empfinden ist das leider wirklich "Open
Source zum Abgewöhnen"; so schön es wäre, ein vertrauenswürdiges
und preisgünstiges (kostenloses) Produkt einsetzen zu können - dieser
Codeansammlung vertraue ich keine Finanzdaten an, die ich nochmal
brauchen werde.
- aqbanking / aqfinance scheint
nicht mehr wirklich weiterentwickelt zu werden; auch dies ist ein
Stück frei verfügbarer Software, welches weder richtig zum Laufen zu
kriegen war noch eine stabile Performance bietet - schade.
Mein Fazit: leider hat es Intuit/Lexware nicht für nötig
gehalten, einen aktuellen Stand von Quicken auf den Mac zu portieren
und sich so um die Chance gebracht, hier zum "Platzhirsch" zu werden,
wie es auf dem PC nach dem Ende von MS Money gelungen war. Das kann man
auch positiv sehen; nachdem jahrelang für den Mac keine sinnvolle
Lösung in Sicht war, kommen jetzt spannende Programme auf den Markt.
Alle von mir getesteten Alternativen sind (noch) schwächer als
Quicken, bieten aber teilweise interessante Optionen zum Sync mit
iOS-Geräten oder eine bessere Depotverwaltung / Kursabfrage. Nachdem
ich die Updatepolitik von Lexware nicht mehr mitmachen werde und jetzt
die Chance sehe, mich komplett von Windows zu lösen, werde ich mein
Glück mit einem längeren Praxistest mit iFinance/iFinance mobil
versuchen.
Vielleicht können andere c't-Leser ja noch etwas zu diesem
interessanten Thema beitragen?
Herzliche Grüße, ...
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